Psychotherapie

Wenn Sie nicht zur Ruhe kommen

Sie sitzen am Abend auf dem Sofa, der Tag ist erledigt, und trotzdem läuft innen alles weiter. Der Körper bleibt angespannt, die Gedanken springen, ein Gefühl von Rastlosigkeit liegt über allem. Vielleicht können Sie gar nicht genau sagen, warum. Es gibt keinen konkreten Anlass, nur dieses Getriebensein, das nicht aufhört. Innere Unruhe kann sich sehr unterschiedlich zeigen: als Nervosität, Anspannung, Reizbarkeit, Schlafprobleme, Herzklopfen, Konzentrationsschwierigkeiten oder das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. Nach außen ist davon oft wenig zu sehen. Innerlich kann es dagegen schwerfallen, zur Ruhe zu kommen, selbst wenn eigentlich Zeit dafür wäre.

Wie sich innere Unruhe zeigen kann

Sie liegen im Bett und sind müde, aber der Kopf schaltet nicht ab. Einschlafen dauert, Sie wachen nachts immer wieder auf, und am Morgen fühlen Sie sich kaum erholt.

Sie sitzen in einer Besprechung und merken, wie die Anspannung im Nacken sitzt, wie der Atem flacher wird und Sie am liebsten aufstehen würden, ohne genau zu wissen, wohin.

Sie greifen zum Handy, scrollen, legen es weg und greifen wenig später wieder danach. Es beruhigt Sie nicht wirklich, beschäftigt Sie aber für einen Moment.

Sie reagieren gereizt auf Menschen, die Ihnen wichtig sind, und ärgern sich hinterher darüber. Die Anspannung war möglicherweise schon da, bevor das Gespräch begonnen hat.

Sie haben ein Wochenende ohne Termine vor sich und spüren trotzdem keine richtige Erleichterung. Stillstand fühlt sich nicht automatisch nach Erholung an.

Vielleicht fragen Sie sich schon länger, ob das noch gewöhnlicher Stress ist oder ob hinter der Unruhe etwas anderes steckt.

Diese Situationen sind Beispiele und keine Checkliste. Einzelne Symptome sagen noch nicht, was hinter Ihrer Unruhe steht. Entscheidend ist auch, wie lange sie anhält, wie stark sie ausgeprägt ist und wie sehr sie Ihren Alltag beeinträchtigt.

Was hinter innerer Unruhe stecken kann

Innere Unruhe ist keine eigenständige Diagnose. Sie kann vorübergehend in belastenden oder unsicheren Lebensphasen auftreten, aber auch mit länger anhaltendem Stress, körperlichen Ursachen oder psychischen Belastungen zusammenhängen.

Manchmal lässt sich ein Zusammenhang mit einer konkreten Situation erkennen: einer Entscheidung, einem Konflikt, einer Veränderung oder einer anhaltenden Überforderung. Manchmal entwickelt sich die Unruhe allmählich, ohne dass es einen einzelnen Auslöser gibt.

Auch Schlafmangel, Koffein, Nikotin, bestimmte Medikamente oder andere Substanzen können Unruhe verstärken. Ebenso kann innere Unruhe im Zusammenhang mit psychischen Störungen auftreten, etwa bei Angststörungen oder Depressionen.

Es gibt deshalb nicht die eine Erklärung. Mehrere Faktoren können zusammenkommen, und manchmal bleibt zunächst offen, wodurch die Beschwerden entstanden sind.

Die existenzanalytische Perspektive

Aus existenzanalytischer Sicht können wir zusätzlich danach fragen, wie Sie Ihre gegenwärtige Lebenssituation erleben. Alfried Längle beschreibt in der ersten Grundmotivation die Frage: Kann ich sein? Habe ich ausreichend Raum, Schutz und Halt?

Wenn Sicherheit und Halt im eigenen Erleben brüchig werden, können Unsicherheit und Angst stärker in den Vordergrund treten. Das bedeutet nicht, dass sich jede innere Unruhe daraus erklären lässt. Es ist vielmehr eine zusätzliche Perspektive auf das persönliche Erleben.

Vielleicht gibt es eine Situation, der Sie nur schwer zustimmen können. Vielleicht steht eine Entscheidung an, die Sie beschäftigt. Vielleicht erleben Sie Ihr gegenwärtiges Tempo als zu hoch oder merken, dass etwas, das Ihnen bisher Halt gegeben hat, nicht mehr trägt.

Im Gespräch können wir solchen Zusammenhängen nachgehen, ohne vorauszusetzen, dass die Unruhe eine bestimmte Botschaft haben oder auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden muss.

Wann kann ärztliche Abklärung sinnvoll sein?

Innere Unruhe kann auch körperliche Ursachen haben oder mit körperlichen Beschwerden verbunden sein. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann beispielsweise mit Nervosität, Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Schlafproblemen und Gewichtsverlust einhergehen. Auch bestimmte Medikamente oder Substanzen sowie deren Entzug können Unruhe verursachen oder verstärken.

Wenn Beschwerden neu auftreten, stark ausgeprägt sind, länger anhalten oder sich verändern, können Sie diese ärztlich abklären lassen. Das gilt besonders bei ausgeprägtem Herzrasen, Atemnot, Schwindel, deutlichem Gewichtsverlust oder anderen körperlichen Symptomen.

Auch bei psychischen Störungen kann innere Unruhe auftreten. Bei einer Depression kann beispielsweise neben Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder Erschöpfung auch ein Gefühl des Aufgewühltseins und der inneren Unruhe vorkommen.

Die Abklärung körperlicher Ursachen und Fragen zu Medikamenten liegen in ärztlicher Hand. Psychotherapeutische Diagnostik kann parallel dazu stattfinden und die medizinische Abklärung ergänzen. Diagnostik gehört ausdrücklich zu den fachlichen Bereichen psychotherapeutischer Tätigkeit.

Sie müssen deshalb nicht grundsätzlich mit einer Psychotherapie warten, bis sämtliche körperlichen Untersuchungen abgeschlossen sind. Je nach Beschwerden können medizinische und psychotherapeutische Abklärung nebeneinander sinnvoll sein.

Wie wir gemeinsam daran arbeiten können

In der Psychotherapie geht es nicht darum, die Unruhe möglichst schnell zum Verschwinden zu bringen. Wir können zunächst gemeinsam genauer anschauen, wie Sie sie erleben.

Wann ist sie besonders stark? Gibt es Momente, in denen sie nachlässt? Was geschieht in Ihrem Alltag, bevor die Anspannung zunimmt? Welche Gedanken tauchen auf? Was tun Sie, um mit der Unruhe umzugehen?

Dabei können Zusammenhänge sichtbar werden, die im Alltag schwer wahrzunehmen sind.

Vielleicht zeigt sich, dass Sie seit längerer Zeit über Ihre Grenzen gehen. Vielleicht gibt es einen Konflikt oder eine Entscheidung, die Sie beschäftigt. Vielleicht hängt die Unruhe mit Angst oder Erschöpfung zusammen. Es kann aber auch sein, dass sich zunächst keine eindeutige Erklärung findet.

Gemeinsam können wir dann schauen, was Ihnen Halt geben kann, welche Veränderungen möglich sind und wie Sie mit der Unruhe anders umgehen können.

Ich arbeite dabei nicht nach einem starren Entspannungsprogramm. Welche therapeutischen Schritte sinnvoll sind, richtet sich nach Ihrem Anliegen und Ihrer persönlichen Situation. Es gibt keine feste Reihenfolge, die abgearbeitet werden muss.

Das Tempo können wir gemeinsam an das anpassen, was für Sie möglich und hilfreich ist.

Wie ein erstes Gespräch ablaufen kann

Sie können sich per Nachricht oder telefonisch bei mir melden. Eine besondere Vorbereitung ist nicht notwendig. Beim kostenlosen Erstgespräch in meiner Praxis lernen wir einander kennen. Sie können erzählen, was Sie derzeit beschäftigt, so viel oder so wenig, wie Sie möchten. Ich höre zu, frage nach, und gemeinsam können wir klären, ob meine Arbeitsweise zu Ihrem Anliegen passt. Danach können Sie in Ruhe entscheiden, ob und wie Sie weitergehen möchten.

Einen Termin können Sie über die Kontaktseite anfragen.

Häufige Fragen

Was kann bei innerer Unruhe kurzfristig helfen?

Was hilfreich ist, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Bewegung, ein Spaziergang, bewusst ruhigeres Atmen, ausreichend Pausen und ein möglichst regelmäßiger Schlafrhythmus können dazu beitragen, akute Anspannung zu reduzieren.

Auch ein hoher Konsum von Koffein kann Nervosität und Schlafprobleme verstärken. Es kann deshalb sinnvoll sein, darauf zu achten, ob Kaffee, Energydrinks oder andere koffeinhaltige Getränke Ihre Unruhe beeinflussen. Koffein, Nikotin und Alkohol können außerdem den Schlaf beeinträchtigen.

Solche Maßnahmen können kurzfristig unterstützen. Wenn die Unruhe länger anhält oder Ihren Alltag deutlich beeinträchtigt, kann es sinnvoll sein, zusätzlich genauer zu klären, wodurch sie beeinflusst wird.

Ist innere Unruhe eine psychische Störung?

Nein. Innere Unruhe ist zunächst ein Symptom beziehungsweise ein subjektiv erlebter Zustand und keine eigenständige psychische Störung. Sie kann vorübergehend auftreten, beispielsweise bei Stress oder größeren Veränderungen. Sie kann aber auch im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen oder verschiedenen psychischen Störungen vorkommen.

Ob eine psychische Störung vorliegt, kann im Rahmen einer fachlichen Diagnostik geklärt werden. Körperliche Ursachen werden ärztlich abgeklärt, psychotherapeutische Diagnostik kann ergänzend beziehungsweise parallel erfolgen.

Wie lange dauert es, bis sich etwas verändert?

Das lässt sich vorab nicht seriös vorhersagen. Wie schnell Veränderungen möglich sind, hängt unter anderem davon ab, wie lange die Beschwerden bereits bestehen, was sie beeinflusst und welche weiteren Belastungen vorhanden sind.

Ich verspreche deshalb kein bestimmtes Ergebnis oder eine bestimmte Anzahl von Sitzungen. Den Verlauf können wir regelmäßig gemeinsam anschauen und besprechen, was sich verändert hat und was Sie noch brauchen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Verlässliche Informationen zu Stress, Schlafproblemen sowie möglichen körperlichen und psychischen Ursachen von Unruhe finden Sie auf öffentlichen Gesundheitsportalen sowie bei Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder klinischen Psychologinnen und Psychologen.

In der Psychotherapie können wir darüber hinaus anschauen, wie Sie selbst die Unruhe erleben und welche Zusammenhänge es mit Ihrer persönlichen Lebenssituation geben könnte.

Brauche ich eine Überweisung?

Nein. Für ein Erstgespräch bei mir benötigen Sie keine ärztliche Überweisung. Sie können sich direkt – unverbindlich und kostenlos – bei mir melden. Eine Einheit dauert 50 Minuten und kostet 80 Euro. Da ich Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision bin, gibt es für die Behandlung keinen Kostenzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung.

Wenn es gerade nicht warten kann

Meine Praxis ist kein Akut- oder Notfalldienst. Wenn die Unruhe so stark wird, dass Sie sich selbst nicht mehr sicher fühlen, sich selbst gefährdet sehen oder Suizidgedanken haben, benötigen Sie rasch erreichbare Unterstützung.

Aktuelle Krisen- und Notfallkontakte finden Sie auf der Kontaktseite.

Mag. (FH) Andrea Gärner ist Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision und arbeitet mit Existenzanalyse in der Linie von Alfried Längle. Mehr über mich