Wenn Angst den Alltag bestimmt
Angst gehört zum Leben. Sie warnt, schützt und macht aufmerksam. Doch manchmal wird sie so stark oder anhaltend, dass sie den Alltag zunehmend bestimmt. Dann werden Fahrten, Treffen oder Termine, die früher selbstverständlich waren, zu Hürden. Situationen werden vermieden oder nur noch mit großer Anspannung bewältigt. Und dazu kommt häufig eine zweite Angst: die Angst vor der nächsten Welle.
Wenn Sie das kennen, sind Sie nicht allein damit, auch wenn es sich so anfühlen kann. Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Viele Betroffene warten lange, bevor sie Hilfe suchen, etwa weil sie hoffen, die Angst selbst in den Griff zu bekommen, oder glauben, ihr Leiden sei noch nicht schwerwiegend genug.
Wie sich Angst zeigen kann
Sie wachen morgens auf, und noch bevor Sie richtig aufgestanden sind, sind die Sorgen da. Kaum ist ein Thema beruhigt, taucht das nächste auf: die Gesundheit der Kinder, das Geld, die Arbeit oder ein Gespräch von gestern.
Sie sitzen in der U-Bahn, das Herz beginnt zu rasen, die Hände werden feucht, die Luft scheint knapp. Obwohl keine unmittelbare Gefahr erkennbar ist, reagiert Ihr Körper mit intensiver Angst. Nach einiger Zeit lässt die Welle nach, aber die Erschöpfung bleibt.
Sie sagen ein Treffen ab, nicht weil Sie keine Lust haben, sondern weil Sie nicht wissen, ob Sie die Situation aushalten. Hinterher schämen Sie sich vielleicht dafür.
Sie kontrollieren Dinge mehrfach, planen Wege genau und halten Ausweichmöglichkeiten bereit. Nach außen wirkt das möglicherweise gut organisiert. Innerlich kostet es viel Kraft.
Sie haben schon mehrfach ärztlich abklären lassen, ob mit Ihrem Herzen alles in Ordnung ist. Die Befunde waren unauffällig. Beruhigt hat Sie das nur für kurze Zeit.
Sie fragen sich, ob Ihre Angst „irrational“ ist, und ärgern sich über sich selbst. Als könnten Sie sie einfach abstellen, wenn Sie nur vernünftig genug wären.
Was hinter der Angst stehen kann
Aus existenzanalytischer Sicht steht Angst in engem Zusammenhang mit dem Erleben von Sicherheit, Halt und den Bedingungen, unter denen ein Mensch sein Leben führen kann. Alfried Längle beschreibt als erste Grundmotivation die Frage: Kann ich sein? Habe ich Raum, Halt und Schutz?
Wenn diese grundlegende Sicherheit im Erleben erschüttert ist, kann Angst in den Vordergrund treten. Das bedeutet nicht, dass sich jede Angst auf eine einzelne Ursache zurückführen lässt. Angststörungen entstehen in der Regel aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Dazu können belastende Lebenssituationen, frühere Erfahrungen, körperliche Faktoren, anhaltender Stress, persönliche Vulnerabilitäten oder erlernte Reaktionsmuster gehören. Auch tatsächliche Bedrohungen und schwierige Lebensumstände müssen ernst genommen werden. Nicht jede Angst ist unbegründet.
Im Gespräch schauen wir deshalb genau darauf, wann und in welchen Situationen die Angst auftritt, was Sie dabei erleben und welche Bedeutung sie in Ihrer konkreten Lebenssituation hat. Wie diese Arbeitsweise aussieht, lesen Sie auf der Seite zur Existenzanalyse.
Angst kann unterschiedliche Formen annehmen
Anhaltende Sorgen und innere Anspannung
Angst tritt in unterschiedlichen Formen auf. Manche Menschen erleben über längere Zeit starke Sorgen zu verschiedenen Lebensbereichen, die sich nur schwer kontrollieren lassen. Wenn bestimmte diagnostische Kriterien erfüllt sind, kann eine generalisierte Angststörung vorliegen.
Manche Menschen erleben Angst weniger in klar abgegrenzten Situationen, sondern vor allem als anhaltende innere Anspannung und ständige Alarmbereitschaft. Wenn Sie sich darin eher wiederfinden, lesen Sie vielleicht auch Wenn Sie nicht zur Ruhe kommen.
Panikattacken und Panikstörung
Andere erleben plötzlich auftretende, intensive Angst mit ausgeprägten körperlichen Beschwerden. Solche Episoden können Panikattacken sein. Treten wiederholt unerwartete Panikattacken auf und entwickelt sich eine anhaltende Sorge vor weiteren Attacken oder verändert sich dadurch das Verhalten deutlich, kann eine Panikstörung vorliegen.
Phobien und soziale Ängste
Bei Phobien richtet sich die Angst auf bestimmte Situationen oder Auslöser. Dazu können etwa bestimmte Tiere, Höhen, enge Räume oder andere konkrete Situationen gehören. Bei einer Agoraphobie steht unter anderem die Angst vor Situationen im Vordergrund, aus denen eine Flucht schwierig erscheinen oder in denen Hilfe möglicherweise nicht unmittelbar verfügbar sein könnte.
Bei einer sozialen Angststörung stehen soziale Situationen im Mittelpunkt, in denen Betroffene fürchten, negativ bewertet, beobachtet oder beschämt zu werden.
Wenn mehrere Belastungen zusammenkommen
Diagnostische Begriffe können helfen, Beschwerden einzuordnen und eine passende Behandlung zu planen. Für die psychotherapeutische Arbeit ist zugleich wichtig, wie Sie persönlich die Angst erleben, wann sie auftritt und wie sie Ihr Leben beeinflusst.
Angststörungen können gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auftreten, beispielsweise mit einer Depression. Auch Erschöpfung, Schlafprobleme oder körperliche Beschwerden können hinzukommen. Angehörige können ebenfalls belastet sein, etwa weil sie Rücksicht nehmen, Aufgaben übernehmen oder nicht wissen, wie sie hilfreich reagieren können.
Wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist
Herzrasen, Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel, Kribbeln oder Ohnmachtsgefühle können im Rahmen starker Angst oder einer Panikattacke auftreten. Sie können jedoch auch körperliche Ursachen haben.
Neu auftretende, starke oder veränderte körperliche Beschwerden sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere bei Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder anderen Beschwerden, bei denen eine körperliche Ursache nicht ausgeschlossen werden kann.
Die medizinische Abklärung körperlicher Ursachen und die Entscheidung über eine medikamentöse Behandlung liegen in ärztlicher Hand. Psychotherapeutische Diagnostik ist hingegen Bestandteil psychotherapeutischer Arbeit. Medizinische und psychotherapeutische Abklärung können sich dabei sinnvoll ergänzen.
Viele Menschen kommen in Psychotherapie, nachdem körperliche Ursachen ausgeschlossen oder behandelt wurden und die Angst dennoch bestehen bleibt. Andere nehmen gleichzeitig medizinische und psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch.
Wie wir gemeinsam daran arbeiten
Ich werde Sie nicht ungefragt oder gegen Ihren Willen mit Situationen konfrontieren, die Ihnen Angst machen, und ich werde versuchen, Ihnen die Angst nicht einfach auszureden. Stattdessen schauen wir gemeinsam genauer hin. Wann tritt die Angst auf? Wie kündigt sie sich an? Was geschieht körperlich und innerlich? Welche Gedanken, Vorstellungen oder Befürchtungen tauchen auf? Was tun Sie, um die Angst zu vermeiden oder kontrollierbar zu machen? Und was verändert sich dadurch in Ihrem Alltag?
In der Existenzanalyse betrachten wir Angst nicht ausschließlich als Symptom, das möglichst schnell verschwinden soll. Wir fragen auch danach, wo Sicherheit und Halt fehlen und wie Sie mit den Bedingungen Ihres Lebens umgehen können.
Dabei geht es nicht darum, die Angst jederzeit kontrollieren zu müssen. Ein wichtiger Schritt kann sein, zu erleben, dass Angst zwar unangenehm und belastend ist, Sie ihr aber nicht vollkommen ausgeliefert sind. Wenn die Angst besser verstanden und ein anderer Umgang mit ihr möglich wird, kann sie an Bedrohlichkeit verlieren.
Von dort aus können wir schauen, welche Situationen Sie verändern können, welche Grenzen Schutz brauchen und wo es möglich ist, bisher vermiedenen Situationen wieder mehr Raum zu geben. Das geschieht in einem Tempo und auf eine Weise, die gemeinsam besprochen werden.
Es gibt kein starres Übungsprogramm und keine festgelegte Reihenfolge, die Sie absolvieren müssen. Welche therapeutischen Schritte sinnvoll sind, richtet sich nach Ihrem Anliegen und danach, was sich im gemeinsamen Prozess zeigt.
Dabei geht es auch um den Alltag, der wieder weiter werden darf. Manches, was lange vermieden wurde, kann mit der Zeit wieder möglich werden. Manches bleibt zunächst schwierig. Diese Arbeit braucht Zeit, und ich verspreche kein bestimmtes Ergebnis. Was ich zusagen kann, ist ein verlässlicher Rahmen, meine volle Aufmerksamkeit und ein fachlich geführter Prozess, den ich in laufender Supervision reflektiere.
Wie ein erstes Gespräch abläuft
Sie melden sich per Nachricht oder telefonisch. Im Erstgespräch in meiner Praxis in Wien lernen wir uns kennen. Sie erzählen, was Sie möchten, und wir klären gemeinsam, ob es zwischen uns passt und welcher Rahmen für Ihre Situation sinnvoll sein könnte. Danach können Sie in Ruhe entscheiden, ob und wie wir weitergehen. Einen Termin können Sie über die Kontaktseite vereinbaren.
Häufige Fragen
Wie fühlt sich eine Panikattacke an?
Eine Panikattacke ist eine Episode intensiver Angst, die meist rasch an Stärke zunimmt. Mögliche Beschwerden sind Herzrasen, Atemnot, Engegefühl, Zittern, Schwindel, Schwitzen, Kribbeln sowie die Angst, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder zu sterben.
Die Beschwerden erreichen häufig innerhalb kurzer Zeit eine hohe Intensität und klingen anschließend wieder ab. Danach kann die Sorge bleiben, dass sich eine solche Attacke wiederholt.
Ähnliche Beschwerden können jedoch auch körperliche Ursachen haben. Besonders bei erstmalig auftretenden, starken oder veränderten körperlichen Symptomen ist deshalb eine ärztliche Abklärung wichtig.
Kann Angst durch Stress entstehen?
Anhaltende Belastung und Stress können Angst verstärken und gehören zu den Faktoren, die bei der Entstehung oder Aufrechterhaltung von Angstbeschwerden eine Rolle spielen können. Angststörungen lassen sich jedoch in der Regel nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen.
In der Psychotherapie schauen wir gemeinsam darauf, welche Belastungen in Ihrem Leben eine Rolle spielen, wie Sie darauf reagieren und welche Möglichkeiten im Umgang damit bestehen.
Ist Psychotherapie bei Angst sinnvoll, wenn ich schon Medikamente nehme?
Ja, eine medikamentöse und eine psychotherapeutische Behandlung können miteinander kombiniert werden. Ob Medikamente sinnvoll sind, welche Präparate eingesetzt werden und wie lange sie eingenommen werden, besprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
In der Psychotherapie arbeiten wir mit Ihrem Erleben, Ihren Ängsten und den Auswirkungen auf Ihren Alltag. Eine bestehende medikamentöse Behandlung steht dem nicht entgegen.
Wo finde ich verlässliche Informationen zu Angststörungen?
Verlässliche Informationen finden Sie beispielsweise auf öffentlichen Gesundheitsportalen sowie bei Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder klinischen Psychologinnen und Psychologen.
Online-Selbsttests können Hinweise geben, ersetzen jedoch keine fachliche Diagnostik. Wenn Sie unsicher sind, wie Ihre Beschwerden einzuordnen sind, kann ein persönliches Gespräch helfen.
Was kostet eine Einheit?
Eine Einheit dauert 50 Minuten und kostet 80 Euro. Da ich Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision bin, gibt es für die Behandlung keinen Kostenzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Honorar wird von Ihnen selbst getragen.
Wenn es gerade nicht warten kann
Meine Praxis ist kein Akut- oder Notfalldienst. Psychotherapeutische Unterstützung kann auch in Krisenzeiten wichtig sein. Wenn die Angst jedoch so stark wird, dass Sie sich selbst nicht mehr sicher fühlen, sich selbst gefährdet sehen oder Suizidgedanken haben, benötigen Sie rasch erreichbare Unterstützung.
Der Sozialpsychiatrische Notdienst des PSD Wien ist rund um die Uhr unter 01 313 30 erreichbar. In einem akuten medizinischen Notfall wählen Sie 144. Weitere Krisen- und Notfallkontakte finden Sie auf der Kontaktseite.
Mag. (FH) Andrea Gärner ist Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision und arbeitet nach der Existenzanalyse von Alfried Längle. Mehr über mich